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Dorota Tkaczyk's picture

„Der Fremde“ von Albert Camus

Die Handlung des Romans ist relativ einfach. Es geht im Wesentlichen um zwei Ereignisse - den Tod der Mutter Meursaults und den Mord an einem Araber. In dem Roman geht es aber nicht in erster Linie darum, was der Protagonist macht, sondern wie er es macht. Was den jungen Büroangestellten vor allem auszeichnet und ihn gegenüber anderen entfremdet, ist seine ungewöhnliche Gleichgültigkeit - gegenüber Dingen, Menschen, Ereignissen und sogar gegenüber seinem eigenem Schicksal. Die Gleichgültigkeit von Meursault ist ein schockierendes Element des Romans.

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Albert Camus’ Verweigerung des Gottesglaubens

Ein Faktor, der für das gesamte Werk von Albert Camus eine gravierende Bedeutung hatte, war die Tatsache, dass der Schriftsteller nicht an Gott glaubte. Er war ein „incroyant décidé“, wie ihn sein Literaturlehrer an der Universität, Jean Grenier, nannte (Jean Grenier, `Préface´ à Albert Camus, «Théâtre, Récits, Nouvelles», Paris, 1962). Besonders aber lehnte Camus den christlichen Glauben ab, der für ihn viele Widersprüche enthält.

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Der Roman – Produkt einer individualistischen, bürgerlichen Gesellschaft, die von Marktgesetzen beherrscht wird

Das Konzept der Indifferenz hat die Menschheit seit Anfang ihrer Geschichte begleitet. Es ist in den meisten bedeutenden philosophischen Systemen präsent. Man findet es in der stoischen „apatheia“, in der epikureischen „ataraxia“, im buddhistischen „Nirvana“, im taoistischen Nichts oder im Nicht-Denken des Zen. In der Literatur hat sich diese Idee besonders im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert entwickelt. Viele berühmte Autoren wie Proust, Valéry, Périer, Cocteau, Hemingway oder Beckett haben in ihren Werken gleichgültige Figuren geschaffen. Im neunzehnten Jahrhundert als „spleen“, „mal du siécle“, oder „ennui“ gesehen, ist die Indifferenz im nächsten Jahrhundert bereits zur Verweigerung aller gesellschaftlichen Werte geworden. Literatur spiegelt den Geist des Zeitalters wider. Das gilt vor allem für den Roman, der besonders mit den gesellschaftlichen Phänomenen verbunden ist. Laut Lucien Goldmann wird der Roman des zwanzigsten Jahrhundert zum Produkt einer individualistischen, bürgerlichen Gesellschaft, die von den Marktgesetzen beherrscht wird: Eine Gesellschaft, in der die qualitativen, authentischen Werte nicht mehr unmittelbar (wie in der feudalen Welt) gegeben sind, sondern implizit bleiben. So muss auch die Indifferenz in den literarischen Texten als Matrix der bestehenden sozialen Situation gesehen werden.

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