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  <title>Matthias Kirschner's blog</title>
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  <updated>2008-02-06T11:40:04+01:00</updated>
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    <title>Kulturtechnik Software: Warum Organisationen, die mit Entwicklungsländern kommunizieren, Freie Software einsetzen müssen</title>
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    <published>2006-12-26T06:10:49+01:00</published>
    <updated>2008-02-06T11:41:13+01:00</updated>
    <author>
      <name>Matthias Kirschner</name>
    </author>
    <category term="Gesellschaft" />
    <category term="Kultur" />
    <category term="Open Source" />
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    <summary type="html"><![CDATA[  <p class="MsoNormal">Lesen, Schreiben, Rechnen und Ackerbau haben, wie alle Kulturtechniken, einen entscheidenden Einfluss auf die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Perspektiven eines Landes. Auch Software, als Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts, muss allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen (vgl. Greve 2003). Deshalb tragen Organisationen, welche mit Entwicklungsländern kommunizieren, eine besondere Verantwortung bei ihrer eigenen Softwarewahl.    ]]></summary>
    <content type="html"><![CDATA[  <p class="MsoNormal">Lesen, Schreiben, Rechnen und Ackerbau haben, wie alle Kulturtechniken, einen entscheidenden Einfluss auf die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Perspektiven eines Landes. Auch Software, als Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts, muss allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen (vgl. Greve 2003). Deshalb tragen Organisationen, welche mit Entwicklungsländern kommunizieren, eine besondere Verantwortung bei ihrer eigenen Softwarewahl. Wenn sie selbst keine Freie Software einsetzen, schränken sie die Entwicklungsmöglichkeiten der Länder stark ein.</p>  <p class="MsoNormal">Vom September 2004 bis April 2005, war ich im Rahmen meines Arbeitsaufenthalts, für die Free Software Foundation Europe (FSFE) tätig. Die FSFE dient Politikern, Rechtsanwälten, Journalisten und Softwareentwicklern als Ansprechpartner zum Thema „Freiheit in der Informationsgesellschaft“ und insbesondere für „Freie Software“. Im Zuge des Praktikums kam ich, unter anderem mit dem UN World Summit on the Information Society (WSIS) in Berührung. Bei dem UN WSIS handelt es sich um den Weltgipfel zur Informationsgesellschaft der Vereinten Nationen, der im Dezember 2003 in Genf stattfand und dessen zweiter Gipfelpunkt im November 2005 in Tunis war. Wie bei anderen Weltgipfeln geht es darum, die weltweiten Regeln und Visionen gemeinsam festzulegen, um diese dann national umzusetzen: In diesem Fall also die globalen Regeln der Informationsgesellschaft. </p>  <p class="MsoNormal">In dieser Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass immer mehr Organisationen im WSIS Umfeld zwar Freie Software propagieren, jedoch selbst unfreie Software einsetzen. Dadurch wird es Entwicklungsländern nahezu unmöglich gemacht, Freie Software zu verwenden. Um eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen, muss Software, als Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts, den Menschen in den Entwicklungsländern zur Verfügung stehen. Hierfür müssen Organisationen selbst konsequent Freie Software einsetzen.</p>  <p class="MsoNormal"><b><span style="font-size: 18pt">Technische Grundlagen von Software<o:p></o:p></span></b></p>  <p class="MsoNormal">Software kann sehr gut mit einem Kochrezept verglichen werden [1]. Der Autor schreibt eine Liste von Anweisungen nieder und nach ihrer Ausführung steht ein bestimmtes Ergebnis. Bei Computerprogrammen werden die Anweisungen in dem so genannten Quelltext niedergeschrieben. Es gibt eine Vielzahl von Programmiersprachen, die man dazu verwenden kann. Der Quelltext wird anschließend mit Hilfe eines Programmes, dem Kompiler, in maschinenlesbare Form gebracht. Diese maschinenlesbare Form kann dann vom Computer ausgeführt werden. Sie ist jedoch von Menschen nicht mehr interpretierbar, da sie nur aus Nullen und Einsen besteht. In Abbildung 1 sieht man den Quelltext und den schematisierten Maschinencode eines Programmes, welches in der Programmiersprache C geschrieben ist. Wird es kompiliert und ausgeführt, gibt es „Hallo Welt!“ auf dem Bildschirm aus. </p>  <p class="MsoNormal"><b><span style="font-size: 18pt">Freie Software - Frei wie in Freiheit<o:p></o:p></span></b></p>  <p class="MsoNormal">Im September 1983 kündigte Richard M. Stallman sein Vorhaben an, ein völlig freies Betriebssystem zu schreiben; mit dem Namen GNU, für „GNU’s not Unix“. Er beendete seine Arbeit beim MIT und begann, Anfang 1984, das erste „bewusste“ Projekt mit Freier Software zu schreiben (vgl. Grassmuck 2002, S. 226). Mit Erfolg, spätestens seit dem Jahr 1994 steht das wohl bekannteste freie Betriebssystem, GNU/Linux, in einer stabilen Version zur Verfügung. Auch unter anderen Betriebssytemen dürfte Freie Software heutzutage bekannt sein. Etwa in Form des Webbrowsers Mozilla Firefox, des Kompilers GCC oder des Videoplayers VLC. Spätestens wenn man das Internet benutzt, kommt man zwangsläufig mit Freier Software in Berührung. Dabei ist sie jedoch für den Anwender oft unsichtbar. So sind z.B. der Webserver Apache und der Internet Domain Name Server BIND, die meist verwendetsten Programme ihrer Art, ohne die das Internet nicht funktionieren würde. </p>  <p class="MsoNormal">Der Begriff, Freie Software [2] selbst, wurde zum ersten Mal vollständig im (GNU’s Bulletin 1987) definiert. Danach muss Freie Software, um als solche zu gelten, folgende Freiheiten gewähren (vgl. Gay 2002, S.41 ff.):</p>  <ul type="disc"><li class="MsoNormal">Freiheit 1: Die unbegrenzte      Nutzung zu jedem Zweck. </li></ul>  <p class="MsoNormal">Die Lizenz darf niemanden von der Benutzung der Software ausschließen. Eine Klausel, nach der die Software nicht in bestimmten Nationen verwendet werden darf, sowie jegliche andere Diskriminierung, macht die Software unfrei. Des weiteren darf die Lizenz nicht verbieten, dass die Software für bestimmte Zwecke eingesetzt wird. Die Entscheidung, welche Aufgaben mit dem Programm gelöst werden sollen, liegt alleine in den Händen des Anwenders. </p>  <ul type="disc"><li class="MsoNormal">Freiheit 2: Studium und      Anpassung an eigene Bedürftnisse. </li></ul>  <p class="MsoNormal">Jedem soll es möglich sein, die Funktionsweise der Software, sofern er das will, zu erlernen. Sei es aus Gründen der Erkenntnisgewinnung oder um die Software seinen eigene Bedürfnisse anzupassen. Anpassungen dürfen entweder selbst oder durch andere gemacht werden. Für diese Freiheit ist die Verfügbarkeit des Quelltextes zwingend notwendig. Um auf die Analogie des Kochrezeptes noch einmal einzugehen: Welchen Nutzen hätte ein Kochrezept, bei dem es dem Koch nicht erlaubt wäre, es abzuändern; z.B. Zutaten, die er nicht mag, wegzulassen, oder andere hinzuzufügen? </p>  <p class="MsoNormal">Diese Freiheiten sind dafür bestimmt, sich selbst zu helfen. Freie Software geht aber darüber hinaus. Sie soll es auch ermöglichen, anderen zu helfen, bzw. sich von anderen helfen zu lassen. Dies ist gerade in Anbetracht dessen, dass nicht jeder programmieren kann oder lernen will, notwendig. </p>  <ul type="disc"><li class="MsoNormal">Freiheit 3: Weitergabe      durch Kopie.</li></ul>  <p class="MsoNormal">Jeder hat das Recht das Programm an andere, sei es gegen Entgelt oder gratis, weiterzugeben. Dadurch kann man anderen helfen, ihre Aufgaben mit dem Programm zu lösen, auch wenn dieses ursprünglich nicht dafür gedacht war. Dies steigert die Verbreitung der Software und maximiert den Gesamtnutzen der Gesellschaft, da die zur Verfügung stehenden Ressourcen, hier Programmierer, optimal genutzt werden. </p>  <ul type="disc"><li class="MsoNormal">Freiheit 4: Weitergabe von      Modifikationen.</li></ul>  <p class="MsoNormal">Weiterhin muss die Freiheit gegeben sein, auch Änderungen wieder veröffentlichen zu dürfen. Man muss Änderungen nicht weitergeben, wenn man das nicht will, man hat aber das Recht dazu dies zu tun.</p>  <p class="MsoNormal">Damit eine Softwarelizenz als freie Softwarelizenz gilt, muss der Autor, in der Lizenz der Software, diese vier Freiheiten gewähren. Ist dies nicht der Fall, wird die Software unfrei (proprietär) genannt. Es existieren sehr viele verschiedene Freie Software Lizenzen, wobei die am weitest verbreitetsten die GNU General Public License (GNU GPL), die GNU Lesser General Public License (GNU LGPL) sowie X11-artige Lizenzen sind. Auf eine Darstellung der verschiedenen Lizenzmodelle Freier Software soll hier aber verzichtet werden. Eine gute Beschreibung dieser findet sich bei (Reiter 2004, S. 85-87).</p>  <p class="MsoNormal">Abbildung 2 veranschaulicht die verschiedenen Softwarekategorien. An dieser Stelle soll noch einmal hervorgehoben werden, dass die Bezeichnung „Freie Software“ unabhängig vom für den Erwerb des Programms gezahlten Preis ist. Die Bezeichnung bezieht sich ausschließlich auf die vier Freiheiten. Freie Software darf verkauft werden und nach einer Studie von (Lakhani et al. 2002, S. 38), werden über 40% Freier Software von Programmierern im Hauptberuf entwickelt. </p>  <p class="MsoNormal">Nachdem nun die Begrifflichkeiten definiert sind, soll als nächstes auf die Abhängigkeiten der Politik und der Wirtschaft von Software eingegangen werden. Insbesondere soll auf die Gefahren eingegangen werden, die für diese Gesellschaftsbereiche von unfreier Software ausgehen.</p>  <p class="MsoNormal"><b><span style="font-size: 18pt">Bedeutung von Software<o:p></o:p></span></b></p>  <p class="MsoNormal">Früher waren Computer große Ungetüme und jeder war sich bewusst, wenn er mit ihnen in Berührung kam. Heute begegnen uns Computer nicht immer in der Form, in der wir das erwarten würden. Sie sind so klein, dass sie in nahezu jeden Gegenstand passen. Deshalb ist es schwer, Computer auch immer als solche zu erkennen. Das Mobiltelefon, der Wecker, die Kasse am Supermarkt, das Überweisungsterminal, der Aufzug oder der Fahrkartenautomat; Computer und damit zwangsläufig Software, sind heute allgegenwärtig. Es ist nahezu unmöglich, sich ihnen zu entziehen. Die Auswirkungen dessen auf das persönliche Leben dürften uns bewusst werden, wenn wir uns vor Augen führen was passiert wäre, wenn die Computer nicht funktioniert hätten. Was wäre passiert, wenn die Software die Kreditkarte beim Einkaufen nicht angenommen hätte, das Mobiltelefon sich nicht mit neuem Guthaben hätte aufladen lassen, der Wecker nicht geklingelt hätte oder sich das Überweisungsterminal geweigert hätte, die Überweisung auszuführen? </p>  <p class="MsoNormal">Nun soll gezeigt werden, dass Software nicht nur unser persönliches Leben beeinflusst, sondern auch die Politik und die Wirtschaft ganzer Länder. </p>  <p class="MsoNormal"><b><span style="font-size: 13.5pt">Politische Auswirkungen<o:p></o:p></span></b></p>  <p class="MsoNormal">Zuallererst soll die Illusion genommen werden, dass Computer ihrem Anwender gehorchen. Oder haben wir unserem Computer schon einmal den Befehl geben, abzustürzen oder einen Virus zu installieren? Computer gehorchen immer nur dem Computerprogramm, dessen Regeln im Quellcode niedergeschrieben sind. Quellcode und Gesetze sind beides Regulatoren (vgl. Lessig 2004). Code kann jedoch ein noch weitaus effektiverer Regulator sein; er kann nämlich, im Gegensatz zu Gesetzen, nicht ignoriert werden. </p>  <p class="MsoNormal">Dies soll anhand eines Beispiels verdeutlicht werden. Stellen wir uns vor, wir stehen an einer Verkehrsampel, die Ampel ist rot und wir warten. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stürzt ein Fahrradfahrer und bleibt regungslos auf dem Boden liegen. Weit und breit ist niemand außer uns und dem Verletzen zu sehen. Vermutlich würden wir uns vergewissern, dass die Straße passierbar ist und dem Verletzten Hilfe leisten. Wir hatten uns dazu entschlossen, die rote Ampel als zweitrangig zu betrachten, da wir das Leben eines Mitmenschen in Gefahr sahen. Jeder würde verstehen, warum wir so gehandelt haben. Im schlimmsten Fall würden wir uns vor Gericht rechtfertigen müssen und evtl. eine Strafe für das Vergehen bekommen. Wir konnten uns jedoch dafür entscheiden, diese Regel zu missachten. </p>  <p class="MsoNormal">Wäre dies in einem virtuellen Raum geschehen und wäre das Gesetz, dass rote Fußgängerampeln nicht überquert werden dürfen, in Code implementiert gewesen, so hätte es keine Möglichkeit gegeben, dieses Gesetz zu ignorieren. Vielleicht hätten uns die Beine bei dem Versuch, die Straße zu überqueren, einfach nicht gehorcht, vielleicht wären die Füße auch einfach an dem Bürgersteig festgeklebt. In einem virtuellen Raum gelten weder nationale noch physikalische Gesetze; hier gelten die Gesetze, welche der Autor der Software in dieser implementiert hat. Und diese finden ohne Ausnahme Anwendung. </p>  <p class="MsoNormal">Bei nationalen Gesetzen besteht die Möglichkeit, diese in irgendeiner Form nachzulesen. Da bei unfreier Software der Quellcode, in den meisten Fällen, nicht zur Verfügung gestellt wird, haben wir keinerlei Möglichkeit herauszufinden, welche Gesetze in der Software implementiert sind. Und selbst, wenn wir die Gesetze kenne, dürfen sie nicht geändert werden. Diese Einschränkung gilt für alle, auch für Regierungen. </p>  <p class="MsoNormal">So könnte folgender Fall auftreten: in einem Land hatten bisher die zwei größeren Religionsgemeinschaften den Vorteil, dass der Staat für sie, von ihren Mitgliedern, das Geld einbezog. Dazu musste den Einwohnermeldeämter die Angabe gemacht werden, ob man einer der beiden angehört, oder nicht. Diese Angabe wurde dann in die Datenbank eingetragen. Nach einer sehr kontroversen Diskussion wurde von der Regierung beschlossen, dass das Land in Zukunft auch für die anderen Religionsgemeinschaften die Beiträge der Mitglieder einziehen wird. Dazu muss aber die Datenbank so geändert werden, dass in der Eingabemaske auch die anderen Religionsgemeinschaften zur Auswahl stehen. Die Regierung wendet sich mit diesem Auftrag an den Hersteller der Software. Dieser ist jedoch der Ansicht, dass es sich bei den kleineren Religionsgemeinschaften um „Sekten“ handelt und lehnt es aus Überzeugungsgründen ab, die Änderungen an der Software vorzunehmen. Die Regierung muss nun entweder eine komplett neue Software in Auftrag geben, oder sie kann dieses Gesetz mangels benötigtem Werkzeug nicht durchsetzen. Hierbei ist auch noch die Gefahr der Erpressung denkbar. Ist ein Gesetz für das weitere Fortbestehen einer Regierung von zentraler Bedeutung, könnte der Hersteller auf die Idee kommen, die Anpassung der Software an politische Gegenleistungen zu knüpfen. </p>  <p class="MsoNormal">Wie wir gesehen haben, sind Regierungen, wie alle anderen Benutzer unfreier Software auch, von Software abhängig, überwacht und kontrolliert. Die Auswirkungen von Software reichen jedoch noch darüber hinaus. Dies werden wir im nächsten Abschnitt sehen, welcher sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von Software beschäftigt.</p>  <p class="MsoNormal"><b><span style="font-size: 13.5pt">Wirtschaftliche Auswirkung<o:p></o:p></span></b></p>  <p class="MsoNormal">Unfreie Software führt immer zu einer Monopolbildung. Warum dies so ist, lässt sich wie folgt erklären [3]: </p>  <ul type="disc"><li class="MsoNormal">Geschäfte erfordern      Kommunikation mit Kunden/Anbietern. </li></ul>  <p class="MsoNormal">Um Geschäfte machen zu können, müssen wir kommunizieren. Der Fabrikant möchte gerne wissen, zu welchem Preis er beliefert werden kann und der Verkäufer will einem interessierten Kunden ein Angebot schicken. Ohne mit anderen Menschen zu kommunizieren sind Geschäfte nicht möglich. </p>  <ul type="disc"><li class="MsoNormal">Für Kommunikation ist      Software erforderlich. </li></ul>  <p class="MsoNormal">Software ist überall, sei es in Mobiltelefonen, Faxgeräten oder natürlich in Personal Computern. Kommunikation ohne Software ist heute undenkbar.</p>  <p class="MsoNormal">Die menschliche Gesellschaft definiert sich über Kommunikation; die Menschen sind untereinander in einem Maße vernetzt, das über das intuitive Verständnis hinausgeht [4]. Ein Großteil der Kommunikation und nahezu die gesamte Wirtschaft ist heute vollständig von Software abhängig. Alleine betrachtet, wäre dies für die Wirtschaft nicht besonders bedenklich. Jedoch besitzt unfreie Software die folgende Eigenschaft:</p>  <ul type="disc"><li class="MsoNormal">Unfreie Software      funktioniert nur mit sich selbst gut.</li></ul>  <p class="MsoNormal">Viele Leute wissen es aus Erfahrung; wenn sie ein Textdokument erhalten haben, dass mit einem bestimmten Textverarbeitungsprogramm geschrieben wurde, benötigen sie meist dasselbe Programm, um das Dokument fehlerfrei zu betrachten. Oft ist sogar die gleiche Version der Textverarbeitung nötig. </p>  <p class="MsoNormal">Dieses Verhalten ist bei unfreier Software auch nicht weiter verwunderlich. Der Hersteller von unfreier Software hat gar kein Interesse daran, dass dem anders wäre. Er will, dass möglichst viele Leute seine Software einsetzen müssen und sie gezwungen sind, verfügbare Updates des Programms auch zu kaufen. Unfreie Software erlaubt es zwar standardisierte Dateiformate zu öffnen, speichert man diese jedoch wieder ab, kann die Datei nicht mehr von anderen Programmen gelesen werden, die den Standard befolgen. Dies wird dadurch erreicht, dass zusätzlich zu dem Standard noch Erweiterungen hinzugefügt werden. Somit ist der Anwender gezwungen weiterhin bei der Software des Herstellers zu bleiben [5]. </p>  <p class="MsoNormal">Freie Software dagegen begünstigt das problemlose Austauschen von Daten, sowie Interaktion zwischen Programmen. Jeder Autor eines neuen Programms, kann auf Quelltextteile von bereits bestehenden zugreifen und diese für sein eigenes Programm verwenden. Daher ist der Im- und Export von Daten in andere freie Formate meist problemlos möglich. So können wir z.B. mit den beiden freien Textverarbeitungsprogrammen Kword und Abiword problemlos OpenOffice.org Textdateien öffenen, bearbeiten und abspeichern. Betrachten wir nun alle Punkte zusammen, so werden wir feststellen, dass unfreie Software zwangsläufig zu einem Monopol führen wird. Es ist nicht die Strategie einzelner Firmen, die dies bedingt, sondern die Tatsache, dass diese unfreie Software verwenden. Das Fatale daran ist, dass dieses Monopol nicht auf den Softwarebereich begrenzt bleibt. Es breitet sich auch in den Hardwaresektor aus. Wenn wir in ein Computergeschäft gehen, werden wir feststellen, dass Intel Computer fast ausschließlich mit Microsoft Windows Betriebssystem verkauft werden. Umgekehrt läuft Microsoft Windows nur auf Intel-kompatibler Hardware [6]. </p>  <p class="MsoNormal">Noch tiefgreifendere Auswirkungen auf die Wirtschaft werden deutlich, wenn wir die Studie von (Miller 2004) zur Hand nehmen. Danach sind 50% der deutschen Industrie und 80% der Exporte von der Informations- und Kommunikationstechnologie abhängig. Das bedeutet, dass 50% der deutschen Industrie und 80% der deutschen Exporte den Preis für dieses Monopol bezahlen [7]. Deutschland und andere Industrieländer können sich diesen Preis noch leisten, Entwicklungsländer nicht (vgl. Heinz 2001). </p>  <p class="MsoNormal">Bei Freier Software kann kein schädliches „Kontrollmonopol“ entstehen. Wenn ein bestimmtes freies Softwareprogramm nahezu 100% Marktanteil hätte, so ist dies lediglich ein „Funktionsmonopol“. Dieses birgt aber keine künstlichen Einstiegsbarrieren für Konkurrenten. Jeder, der genügend Zeit investiert, könnte das gleiche Wissen wie der Orginalautor der Software erreichen und Dienstleistungen für diese Software anbieten. Bei unfreier Software kann nur der Herrsteller Dienstleistungen wie Anpassungen, Fehlerbehebungen und Sicherheitsupdates durchführen. Außerdem hat er die Kontrolle darüber, welche anderen Programme mit seinem funktionieren können und welche nicht. </p>  <p class="MsoNormal">Beispielsweise wurde Microsoft von der Europäischen Kommission für schuldig befunden, wettbewerbswidrige Methoden einzusetzen [8]. Microsoft versuchte, seine Monopolstellung im Bereich der Software für Arbeitsplatzrechner zu nutzen, um auch die Kontrolle über den Servermarkt [9] zu erlangen. Dies hätte dem Softwaremarkt und dadurch wiederum der gesamten europäischen Wirtschaft starken Schaden zugefügt.</p>  <p class="MsoNormal"><b><span style="font-size: 18pt">Rolle der Organisationen<o:p></o:p></span></b></p>  <p class="MsoNormal">Organisationen müssen für ihre Arbeit mit Menschen, aus Entwicklungsländern, kommunizieren. Und wie bereits oben erwähnt, findet Kommunikation heute meist über Software statt: es müssen Dokumente miteinander ausgetauscht, von beiden Seiten geöffnet, bearbeitet und wieder abgespeichert werden können. Benutzt eine der beiden Seiten unfreie Software, so muss die andere zwangsläufig nachziehen, ansonsten können sie nicht mehr ohne Probleme miteinander arbeiten. </p>  <p class="MsoNormal">Mehrfach diskutierte die Zivilgesellschaft beim WSIS über die mögliche Einführung eines Videokonferenzprogrammes [10]. Dafür wurde, aus technischen Gründen, auch immer wieder unfreie Software in Betracht gezogen [11]. Wäre dies beschlossen worden, hätte es fatale Auswirkungen gehabt. Will man an der Diskussion teilnehmen, muss man, mit allen Konsequenzen die daraus folgen, unfreie Software einsetzen. Entscheidet man sich dagegen, wird man von der Diskussion, die über die eigene Zukunft entscheidet, ausgeschlossen. </p>  <p class="MsoNormal">Diese Ausgrenzung ist bei weitem kein Einzelfall. Dies erkennen wir jedoch erst, wenn wir selbst konsequent Freie Software einsetzen. Nur dann bemerken wir, dass beispielsweise UNO Dokumente oft nicht mit Freier Software zugänglich sind.</p>  <p class="MsoNormal"><b><span style="font-size: 18pt">Fazit<o:p></o:p></span></b></p>  <p class="MsoNormal">Wie wir gesehen haben, ist Software heute allgegenwärtig. Egal was wir auch tun, wir kommen fast immer mit Computern in Berührung und wir sind auf diese angewiesen. Da Computer nicht dem Anwender, sondern Computerprogrammen gehorchen, werden wir von diesen eingeschränkt. Haben wir nicht die Freiheit, die Software an unsere eigenen Bedürfnisse anzupassen, oder von anderen anpassen zu lassen, sind wir hilflos. </p>  <p class="MsoNormal">Die Regierung hat, wenn sie unfreie Software einsetzt, nicht mehr die Kontrolle über ihre eigenen Werkzeuge. Sie ist dadurch abhängig und erpressbar, was demokratisch sehr bedenklich ist. Benutzt ein Entwicklungsland unfreie Software, erschwert es sich dadurch die Möglichkeit, eigene Kompetenzen in der Softwareentwicklung aufzubauen. Nahezu die gesamte Wirtschaft eines Landes ist jedoch heutzutage auf die Informations- und Kommunikationsindustrie angewiesen. Das bedeutet, dass ein Land ohne eigene Softwareindustrie wirtschaftlich vollständig vom Ausland abhängig ist. </p>  <p class="MsoNormal">Entwicklungsländern haben durch Freie Software die Möglichkeit in diesem Bereich, wirtschaftlich und politisch, eigenverantwortlich zu handeln. Bereits bestehende Komponenten können, von einheimischen Firmen, an lokale Bedürfnisse angepasst werden. So könnte die Regierung es z.B. für wichtig erachten, Minderheiten den Zugang zum öffentlichen Dienst zu erleichtern. Dazu könnte sie ihre Computerprogramme, entweder selbst oder von einem Unternehmen, in deren Sprachen übersetzen lassen. Bei unfreier Software sind wir auf den Hersteller angewiesen. Ist es für diesen nicht gewinnbringend, was oft der Fall ist, wird keine Anpassungen gemacht. </p>  <p class="MsoNormal">Freie Software ermöglicht es der Regierung [12], sowie der Wirtschaft, ihre Aufgaben zu erledigen, ohne vom Ausland abhängig zu sein. Ein weiterer positiver Effekt: investiert die Regierung z.B. in eine neue Verwaltungssoftware, so zirkuliert dieses Geld im eigenen Land und fördert dadurch gleichzeitig die eigene Wirtschaft. </p>  <p class="MsoNormal">Wenn wir selbst konsequent Freie Software einsetzen, merken wir es, wenn anderen der Zugang zu Informationen verwehrt wird, die für deren weitere Entwicklung essenziell sind. Des weiteren können wir mit anderen kommunizieren, ohne dass wir diese in ihrer eigenen Softwarewahl beeinflussen. Dadurch ermöglichen wir es Entwicklungsländern, ohne große Probleme, selbst Freie Software einzusetzen. Nur so können sie die Kulturtechnik Software, in ihrem ganzen Umfang nutzen. Dies wiederum schafft die Basis für eine nachhaltige Entwicklung.</p>  <p class="MsoNormal"><br /> <!--[if !supportLineBreakNewLine]--><br /> <!--[endif]--></p>  <p class="MsoNormal">&nbsp;</p>  <p class="MsoNormal">_________________________</p>  <p class="MsoNormal">1 vgl. Richard M. Stallman in dem Film ”The Code“ (2001), Regie und Buch: Hannu Pottonen. Making Movies und ADR Productions.</p>  <p class="MsoNormal">2 Freie Software begegnet einem manchmal auch unter dem Namen ”Libre Software“ oder ”Open Source Software“. Es wird jedoch empfohlen den Begriff”Freie Software“ zu verwenden. Dieser ist, im Gegensatz zu den anderen, klar definiert (vgl. Reiter 2004, S.84-85).</p>  <p class="MsoNormal">3 Dieser Abschnitt basiert auf der Argumentation von Georg Greve.</p>  <p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">4 vgl. hierzug Stanley Milgrams ”Six degrees of seperation“-Experiment in (Barabasi 2003, S. 27-30).<o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal">5 Diese Praktik ist weit verbreitet und wird als ”Vendor Lock-In“ bezeichnet.</p>  <p class="MsoNormal">6 Dieses Monopol wird daher oft auch als ”Wintel“ Monopol bezeichnet.</p>  <p class="MsoNormal">7 Des weiteren kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass ”viele Bereiche der öffentlichen Verwaltung, des Bildungs- und Gesundheitswesen“ sich durch Software effizienter gestalten lassen und Kosten in Millardenhöhe eingespart werden können (Miller 2004, S. 10).</p>  <p class="MsoNormal">8 Microsoft hat dagegen vor dem Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht. Das Verfahren dazu läuft derzeit noch.</p>  <p class="MsoNormal">9 Ein Server ist ein Programm, welches Dienste für andere Programme (Client) anbietet. Client und Server kommunizieren meist, mit Hilfe eines bestimmten Protokolls, verschlüsselt miteinander.</p>  <p class="MsoNormal">10 Die meisten dieser Diskussionen fanden auf der WSIS CS Plenary Mailingliste, archiviert auf <a href="http://mailman.greennet.org.uk/public/plenary/" title="http://mailman.greennet.org.uk/public/plenary/">http://mailman.greennet.org.uk/public/plenary/</a>, unter den Betreffs ”Collaboration software debate“ und ”Virtual Participation“ statt.</p>  <p class="MsoNormal">11 Es ist alleine schon fraglich, ob Videokonferenzen ein geeignetes Werkzeug für diese Art von Diskussion sind. Darauf soll hier jedoch nicht näher eingegangen werden.</p>  <p class="MsoNormal">12 Regierungen sind im Regelfall der größte Softwarekunde in einem Land.</p>  <p class="MsoNormal">&nbsp;</p>  <p class="MsoNormal">&nbsp;</p>  <p class="MsoNormal"><b>Quellen</b></p>  <p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Barabasi, Albert-Laszlo (2003): Linked. How Everything Is Connected To Everything Else and What It Means for Business, Science, and Everyday Life. Plume (Penguin Group), </span><st1:state><st1:place><span lang="EN-GB">New York</span></st1:place></st1:state><span lang="EN-GB"> / </span><st1:city><st1:place><span lang="EN-GB">London</span></st1:place></st1:city><span lang="EN-GB">. <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Gay, J. (Hrsg.) (2003): Free Software Free Society: selected Essays of Richard M. Stallman. Erste Ausgabe, GNU Press 2002, </span><st1:city><st1:place><span lang="EN-GB">Boston</span></st1:place></st1:city><span lang="EN-GB">; <a href="http://www.gnupress.de" title="http://www.gnupress.de">http://www.gnupress.de</a> <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Free Software Foundation: GNU’s Bulletin, Vol. 1 No. 6, June 1987, Boston; <a href="http://www.gnu.org/bulletins/bull6.html" title="http://www.gnu.org/bulletins/bull6.html">http://www.gnu.org/bulletins/bull6.html</a> vom 30.06.2005. <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal">Grassmuck, Volker (2002): Freie Software zwischen Privat- und Gemeineigentum, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn. </p>  <p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Greve, Georg C. F. (2003): Fighting Intellectual Property: Who Owns and Controls the Information Societies?, in: Heinrich Böll Foundation (ED.): Visions in Process, World </span><st1:city><st1:place><span lang="EN-GB">Summit</span></st1:place></st1:city><span lang="EN-GB"> on the Information Society - </span><st1:place><st1:city><span lang="EN-GB">Geneva 2003</span></st1:city><span lang="EN-GB">, </span><st1:state><span lang="EN-GB">Tunis</span></st1:state></st1:place><span lang="EN-GB"> 2005. <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Heinz, Federico und Oscar E. Heinz (2001): Proprietary Software and Less-Developed Countries - The Argentine Case; <a href="http://www.vialibre.org.ar/index.php/article/articleprint/15/-1/12/" title="http://www.vialibre.org.ar/index.php/article/articleprint/15/-1/12/">http://www.vialibre.org.ar/index.php/article/articleprint/15...</a> vom 30.06.2005. <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Lakhani, Karim R. und Bob Wolf und Jeff Bates (2002): Bosten Conuslting Group, Hacker Survey, Release 0.3; <a href="http://www.bcg.com/opensource/BCGHACKERSURVEY.pdf" title="http://www.bcg.com/opensource/BCGHACKERSURVEY.pdf">http://www.bcg.com/opensource/BCGHACKERSURVEY.pdf</a> vom 30.06.2005. <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Lessig, </span><st1:city><st1:place><span lang="EN-GB">Lawrence</span></st1:place></st1:city><span lang="EN-GB"> (1999): Code And Other Laws Of Cyberspace, </span><st1:place><st1:city><span lang="EN-GB">New York</span></st1:city><span lang="EN-GB">, </span><st1:state><span lang="EN-GB">NY</span></st1:state></st1:place><span lang="EN-GB">. <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal">Miller, Franz (2004): Innovationstreiber Informations- und Kommunikationstechnik, Fraunhofer Magazin 2.2004; <a href="http://www.fraunhofer.de/fhg/Images/mag2-2004-08_tcm5-9201.pdf" title="http://www.fraunhofer.de/fhg/Images/mag2-2004-08_tcm5-9201.pdf">http://www.fraunhofer.de/fhg/Images/mag2-2004-08_tcm5-9201.p...</a> vom 30.06.2005. </p>  <p class="MsoNormal">Reiter, Bernhard E. (2004): Wandel der IT: Mehr als 20 Jahre Freie Software, in: H. Sauerburger (Hrsg.): Praxis der Wirtschaftsinformatik HMD 238, S. 83-91.</p>  <p class="MsoNormal">&nbsp;</p><p>  Originalposting unter: <a href="http://www.difficulties.de/mk/papers.html" title="http://www.difficulties.de/mk/papers.html">http://www.difficulties.de/mk/papers.html</a><br /> Artikel  überarbeitet von:  Mario Behling</p><p>&nbsp;</p>    ]]></content>
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    <title>Unfreie Software - eine Gefahr für die Demokratie?</title>
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    <published>2006-12-15T14:29:53+01:00</published>
    <updated>2008-02-06T11:40:04+01:00</updated>
    <author>
      <name>Matthias Kirschner</name>
    </author>
    <category term="Gesellschaft" />
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    <summary type="html"><![CDATA[<p class="MsoNormal"><i>Bearbeitet von  Mario Behling</i></p>    ]]></summary>
    <content type="html"><![CDATA[<p class="MsoNormal"><i>Bearbeitet von  Mario Behling</i></p><p class="MsoNormal">Für eine funktionierende Demokratie sind politische Gleichheit sowie Partizipation der Bürger von großer Bedeutung. Politische Gleichheit und wirtschaftliche Gleichheit korrelieren positiv (vgl. Mead 2004). Ebenso hängen Partizipationsmöglichkeiten und -bereitschaft unter anderem vom wirtschaftlichen Status ab (vgl. Schultze<span>  </span>2004, S. 648). Unfreie Software schränkt die Möglichkeiten der Partizipation stark ein. Der folgende Beitrag wirft die Frage auf, welche Gefahren für die demokratische Gesellschaft mit der Nutzung von unfreier Software ausgehen.</p>  <p class="MsoNormal">Bei Software muss zwischen unfreier und Freier Software unterschieden werden. Unfreie Software stellt einen Eingriff in die Freiheiten der Menschen dar und führt zwangsläufig zu wirtschaftlicher Ungleichheit. Eine Lösung dieses Problems ist die Verwendung Freier Software, sowohl in der Bildung als auch in eigenen IT Projekten des Staates. Des Weiteren ist ein sorgfältiger und gezielter Einsatz von begrenzten geistigen Monopolen (BGMs) in der Gesetzgebung notwendig.</p>  <h2>Arten von Software</h2>  <p class="MsoNormal">Software kann sehr gut mit einem Kochrezept verglichen werden (vgl. Stallman<span>  </span>2001). Der Autor schreibt eine Liste von Anweisungen nieder aus deren Ausführung ein bestimmtes Ergebnis resultiert. Bei Computerprogrammen werden die Anweisungen im so genannten Quelltext niedergeschrieben. Es gibt eine Vielzahl von Programmiersprachen, die man dazu verwenden kann. Der Quelltext wird anschließend mit Hilfe eines Programmes, dem Kompiler, in maschinenlesbare Form gebracht. Diese maschinenlesbare Form kann dann vom Computer ausgeführt werden. Sie ist jedoch von Menschen nicht mehr interpretierbar, da sie nur aus Nullen und Einsen besteht. In Abbildung 1 sieht man den Quelltext und den schematisierten Maschinencode eines Programmes, welches in der Programmiersprache C geschrieben ist. Wird es kompiliert und ausgeführt, gibt es „Hallo Welt!“ auf dem Bildschirm aus. </p>  <p class="MsoNormal">Bei Software muss zwischen zwei Modellen unterschieden werden: der Freien Software und der unfreien Software. Freie Software gewährt dem Nutzer folgende vier Freiheiten: (1) unbegrenzte Nutzung zu jedem Zweck, (2) Studium und Anpassung, (3) Weitergabe durch Kopie und (4) Weiterentwicklung (vgl. Stallman 2002, S. 41ff, Stallman 1996) . Unfreie Software gewährt keine, oder nicht alle dieser Freiheiten.</p>  <p>   <a href="/images/2006/12/15/menschenlesbarer_quellcode_und_maschinenlesbarer_binaercode"><img src="/system/files/images/kulturtechnik_software-1.60x.png" alt="Menschenlesbarer Quellcode und maschinenlesbarer Binaercode" title="Menschenlesbarer Quellcode und maschinenlesbarer Binaercode" class="image preview" height="132" width="350" /></a><span class="caption" style="width: 348px"><b><br /></b>Menschenlesbarer Quellcode und maschinenlesbarer Binaercode</span></p><p class="MsoNormal">Die vier Freiheiten müssen in der Lizenz der Software gewährt werden. Innerhalb der Freien Software Lizenzen wird noch einmal zwischen stark schützenden, schwach schützenden und nicht schützenden Lizenzen unterschieden (vgl. Reiter<span>  </span>2004, S. 85-87):</p><p class="MsoNormal"><span class="aebx-121">Starker Schutz / Copyleft - z.B. GNU GPL:</span> gewährt die vier Freiheiten und schützt sie dadurch, dass die Lizenz vererbt wird. Dies „impft“ die Software dagegen, wieder unfrei zu werden. </p>  <p class="MsoNormal"><span class="aebx-121">Schwacher Schutz / Copyleft - z.B. GNU LGPL:</span> gewährt die vier Freiheiten. Jedoch bieten schwach schützende Lizenzen nur einen begrenzten Schutz der Freiheit. Im Gegensatz zu stark schützenden Lizenzen darf unfreie Software gegen Programme unter der GNU LGPL gelinkt werden. Das bedeutet, dass zwar das Programm selbst immer frei bleiben muss, es jedoch mit anderen Programmen kombiniert werden kann, welche unfrei sind. </p>  <p class="MsoNormal"><span class="aebx-121">Kein Schutz - z.B. XFree86 License (modifizierte BSD):</span> gewährt ebenso die vier Freiheiten, bietet aber keinen Schutz der Freiheit. Das bedeutet, dass das Programm oder Programmteile auch wieder unfrei gemacht werden dürfen. Dies hätte zur Folge, dass Benutzern die Freiheiten vorenthalten werden.<o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">Die Abbildung 2 veranschaulicht die verschiedenen Softwarekategorien (siehe Reiter 2004, Free Software Foundation 1996). Wichtig hierbei ist, dass der gezahlte Preis für den Erwerb der Software bei dieser Definition keine Rolle spielt. Ausschlaggebend für die Unterscheidung zwischen Freier Software und unfreier Software ist nur, ob die vier Freiheiten gewährt werden oder nicht. <b><o:p></o:p></b></p><p>  <a href="/images/2006/12/15/software_kategorien_nach_reiter_2004_s_86"><img src="/system/files/images/kulturtechnik_software-1.61x.png" alt="Software Kategorien nach (Reiter 2004, S. 86)" title="Software Kategorien nach (Reiter 2004, S. 86)" class="image preview" height="247" width="350" /></a><span class="caption" style="width: 348px"><br />Software Kategorien nach (Reiter 2004, S. 86)</span></p><h2>Probleme durch unfreie Software</h2>  <p class="MsoNormal">Software durchdringt mittlerweile alle Bereiche unseres Lebens. Das Klingeln des Weckers, das Stellen der Stoppuhr für das Frühstücksei, das Öffnen der Straßenbahntüre, die Benutzung des Fahrstuhls, das Telefonieren mit dem Mobiltelefon und natürlich die klassischen Variante, das Benutzen des Heimcomputers; immer kommen wir mit Software in Kontakt. Nahezu jedes elektronische Gerät enthält Software. Wie stark wir von Software abhängig sind wird uns klar, wenn wir uns vorstellen welche Folgen es hätte, wenn die Geräte nicht funktionieren würden. </p>  <h3>Unfreie Software schwächt die Wirtschaft</h3>  <p class="MsoNormal">In unserem privaten Leben könnten wir mit den Auswirkungen einige Zeit zurechtkommen, auch wenn es uns nicht leicht fallen dürfte. Die Wirtschaft jedoch ist auf funktionierende Software angewiesen. Eine Studie der Fraunhofer Gesellschaft hat ergeben, dass 50% der deutschen Industrie und 80% der Exporte von der Informations- und Kommunikationstechnologie abhängig sind (vgl. Miller<span>  </span>2004). Für sie ist es fatal, wenn die Software nicht funktioniert. Förderbänder stehen still, Flugzeuge und Züge verkehren nicht, die Börse würde zusammenbrechen und fast die gesamte Büroarbeit wäre unmöglich. </p>  <p class="MsoNormal">Software ist also ein zentraler Bestandteil unserer Wirtschaft. Das Problem dabei ist, dass unfreie Software immer zu einem Monopol führt. Warum dies so ist wollen wir nun etwas näher betrachten.</p>  <ul><li><span class="aebx-121">Für Geschäfte ist Kommunikation notwendig.</span></li></ul>  <p class="MsoNormal">Um Geschäfte tätigen zu können, müssen wir mit Kunden und Anbietern kommunizieren. Angebote müssen eingeholt, Verträge verschickt und Konzepte diskutiert werden. Ohne Kommunikation kann kein Geschäft stattfinden. Diese Kommunikation findet zu einem Großteil mit Hilfe von Software statt. Vermutlich werden in Zukunft immer mehr Geschäfte in elektronischer Form abgewickelt werden. Um Geschäfte ausführen zu können benötigen wir also Software. </p>  <ul><li><span class="aebx-121">Unfreie Software funktioniert nur mit sich selbst gut.</span></li></ul>  <p class="MsoNormal">Problematisch ist, dass unfreie Software meist nur mit sich selbst gut funktioniert. Jedem wird es schon einmal widerfahren sein: eine Datei, die z.B. mit einem bestimmten Textverarbeitungsprogramm geschrieben wurde, lässt sich nur mit dem gleichen Programm wieder fehlerfrei öffnen und betrachten. Oft ist es sogar nur mit der exakt gleichen Version der Textverarbeitung möglich. <o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">Dies ist eine zwangsläufige Folge des unfreien Softwaremodells, denn das Geschäftsmodell basiert darauf, möglichst viele Lizenzen der Software zu verkaufen. Für diesen Zweck wird es einerseits dem Benutzer schwer gemacht, zu einer anderen Software zu wechseln, andererseits werden seine Kommunikationspartner dazu gezwungen, ebenfalls diese Software einzusetzen. Dies wird dadurch erreicht, dass das Programm es zunächst ermöglicht, standardisierte Dateiformate zu öffnen. Speichert man diese jedoch wieder ab, können die Daten nicht mehr mit anderen Programmen, die den Standard befolgen, geöffnet werden1. Hierfür werden der Datei Erweiterungen hinzufügt, die von anderen Programmen nicht unterstützt werden.<o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">Daraus folgt: benutzen wir unfreie Software, müssen wir alle das gleiche Programm verwenden, um miteinander kommunizieren zu können. Das führt zu einem Monopol beim Angebot von Software2. Für dieses Monopol müssen alle Bereiche der Wirtschaft bezahlen und die gesamte Volkswirtschaft wird durch das unfreie Softwaremodell geschwächt. Mit diesem Monopol halten einige wenige Unternehmen eine solche Marktmacht in ihren Händen, dass dadurch der Gesellschaft ein immenser Wohlfahrtsverlust entsteht. Die soziale Kluft wird dadurch immer größer. <b><o:p></o:p></b></p>  <h3>Gefährliche Machtverteilung durch unfreie Software</h3>  <p class="MsoNormal"><div class="quote-msg"><div class="quote-author">Quote:</div>„Alle Mittel, welche die Realisierung von Zwecken sozialer Akteure ermöglichen; die Akteure also mit Macht ausstatten“ werden als Machtressourcen bezeichnet (Weiß<span>  </span>2004, S. 499). </div> <o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">Mit Software kann man sehr gut eigene Ziele durchsetzen. Der Benutzer kann die Regeln, welche in Software implementiert sind nicht missachten. Bei Software deren Quelltext nicht verfügbar ist, existiert nicht einmal die Möglichkeit, festzustellen, welche Regeln überhaupt implementiert sind. Eventuell werden manche dieser Regeln, wenn überhaupt, erst durch Zufall entdeckt. <o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">American Online (AOL) bietet ein gutes Beispiel dafür, wie Computerprogramme Freiheiten einschränken (vgl. Lessig<span>  </span>1999, S. 66-71). Als Mitglied bei AOL hat man die Möglichkeit, mit anderen Mitgliedern synchron Nachrichten in einem virtuellen Diskussionsraum auszutauschen. Dazu muss man sich in diesen Diskussionsraum einloggen. Nun hat aber AOL in ihrer Software die Regel implementiert, dass nur 23 Personen pro Raum zugelassen sind. Eine Gruppe von 24 Personen hat also nicht die Möglichkeit, sich gemeinsam in dem virtuellen Diskussionsraum auszutauschen. Die Software macht hier keine Ausnahmen. <o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">Zu diesen softwareimmanenten Beschränkungen kommen noch Beschränkungen durch das Urheberrecht hinzu. Wie machtlos dagegen sogar ganze Staaten sind, illustriert folgendes Beispiel: <o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal"><div class="quote-msg"><div class="quote-author">Quote:</div> „Um seine Schrift in der digitalen Welt zu bewahren und lebendig zu halten, bat [Island im Jahre 1998] Microsoft, eine Unterstützung für Isländisch in Windows zu implementieren. Es war sogar bereit, für diese Arbeit zu bezahlen, doch Microsoft sah den Markt als zu klein an und winkte ab. Ohne Zugang zum Quellcode und ohne das Recht, ihn zu modifizieren, ist das Land vollkommen abhängig von Microsofts Gnade“ (Grassmuck<span>  </span>2002, S. 318). </div><o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">Eine Machtressource also vollkommen in den Händen einiger Weniger zu belassen, stellt eine große Gefahr für die demokratische Gesellschaft dar. <b><o:p></o:p></b></p>  <h2>Strategische Schritte gegen Monopole im Softwarebereich</h2>  <p class="MsoNormal">Was können wir tun, um diese Gefahren zu verhindern? Welche Schritte können wir unternehmen, um unsere Wirtschaft vor Monopolen zu schützen? Wie können wir den Menschen ein Verständnis für eine wichtige Technik unserer Zeit vermitteln und dadurch verhindern, dass diese als Machtressource missbraucht wird? Die einfachste Methode, die Gefahren von Software abzuwenden, wäre eine gesetzliche Bestimmung, dass jede Software für jeden Zweck verwendet, studiert und angepasst, durch Kopie weitergegeben und weiterentwickelt werden darf; also jede Software frei sein muss. Da jedoch meiner Ansicht nach solche Veränderungen Zeit benötigen, wollen wir hier mehrere kleinere Lösungsschritte betrachten. </p>  <h3>Bildung</h3>  <p class="MsoNormal">Es ist wichtig, dass die Fähigkeit Software zu verstehen nicht in den Händen einiger Weniger liegt, sondern breit in der Gesellschaft verteilt ist. Die Fähigkeit Programmieren zu können darf ebenso wenig wie Lesen, Schreiben oder Rechnen Herrschaftswissen sein. Die Bürger sollten in der Schule mit Rüstzeug ausgestattet werden, um ihre späteren Arbeitswerkzeuge kontrollieren zu können. Sie sollten also auch Grundkenntnisse im Programmieren erlernen, um später nicht den Irrglauben zu haben, Software sei etwas Übermenschliches. </p>  <p class="MsoNormal">Mit Freier Software können wir des Weiteren wichtige demokratische Prinzipien in der Bildung durchsetzen (vgl. Free Software Foundation Europe 2004, Stallman 2003): </p>  <ul><li><span class="aebx-121">Freiheit</span> </li></ul>  <p class="MsoNormal">Die Schüler können mit Freier Software lernen, solche zu benutzen und zu verstehen. Dadurch, dass sie den Quelltext verfügbar haben, gibt es für ihren Wissensdurst keine Grenze. Niemand verbietet den Schülern nur bis zu einem bestimmten Grad die Software zu verstehen. Anders als bei unfreier Software können sie auf dem aktuellen Stand der Technik lernen und müssen sich nicht damit abfinden, dass manche Dinge geheim sind. Sie werden erkennen, dass es nicht nur immer einen Weg, oder ein Programm zur Lösung eines Problems gibt, sondern fast immer Alternativen bestehen. </p>  <ul><li><span class="aebx-121">Gleichheit</span> </li></ul>  <p class="MsoNormal">Es besteht eine Gleichheit zwischen den Benutzern. Die Schule kann allen Schülern, auch denen aus ärmeren Familien, die Software zur Verfügung stellen. So sind arme Schüler nicht dazu gezwungen, gegen Gesetze zu verstoßen, damit sie nicht benachteiligt sind und die Software auch zu Hause benutzen können. </p>  <ul><li><span class="aebx-121">Brüderlichkeit</span> </li></ul>  <p class="MsoNormal">Mit Freier Software lernen Schüler, dass sich Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe lohnen. Niemand vermittelt ihnen den Eindruck, dass es eine schlimme Tat ist, anderen zu helfen, indem Programme getauscht werden, und dass solche Praktiken nur von „Piraten“ verübt werden (vgl. Stallman<span>  </span>1994a).<b><o:p></o:p></b></p>  <h3>Eigene IT-Projekte mit Freier Software umsetzen</h3>  <p class="MsoNormal">Zunächst sollte der Staat darauf achten, bei seinen eigenen IT Projekten selbst Freie Software Komponenten zu verwenden. Ansonsten könnte ihm ein Schicksal, wie das oben beschriebene widerfahren.3 Des Weiteren wird durch die Verwendung von Freier Software sichergestellt, dass die Funktionsweise der Software überprüfbar ist. Und jeder Bürger sollte das Recht haben, zu wissen, welche Regeln der Staat implementiert hat, genauso wie er das Recht hat, erlassene Gesetze nachzulesen. Die derzeitige Gesetzgebung verbietet es, das System zur elektronische Patientenkarte näher zu untersuchen. Dadurch wird es nahezu unmöglich gemacht zu überprüfen, ob dabei die Privatsphäre geschützt bleibt und in diesem Sinne der Sozialstaat aufrechterhalten wird. <o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal"><div class="quote-msg"><div class="quote-author">Quote:</div> Bernhard Reiter kritisiert, dass „[d]ie Systementwickler [...] den Datenmißbrauch wissentlich in Kauf [nehmen] und versuchen - mit Hilfe des Urheberrechts - eine Überprüfung des Sicherheitskonzepts zu verhindern. Hier wird die Gefahr deutlich, die Softwarepatente und die Verschärfung des Urheberrechts für die Gesellschaft darstellen“ (Free Software Foundation Europe<span>  </span>2005). </div><o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">Wenn der Staat für alle IT Projekte Freie Software verwendet, kann diese auf legale Weise überprüft werden. So können Gefahren erkannt und frühzeitig darauf reagiert werden. Das Wissen und die Fähigkeiten von staatlich finanzierter Software sollte außerdem der Gesellschaft zur Verfügung stehen. So muss in den USA „Software, die mit staatlichen Mitteln entwickelt wurde, allen zugute kommen“(Grassmuck<span>  </span>2002, S. 381). Dieser Praxis sollte sich auch die Bundesrepublik anschließen. Staatlich geförderte Software sollte immer unter eine stark schützende oder zumindest schwach schützende Freien Softwarelizenz gestellt werden um sicherzustellen, dass diese auch frei bleibt. Sonst würden sich Unternehmen an der Gemeinschaft bereichern können, ohne ihr wieder etwas zurückzugeben (vgl. Grassmuck<span>  </span>2002, S. 306). <b><o:p></o:p></b></p>  <h3>Bewusster Gebrauch von BGMs</h3>  <p class="MsoNormal">Verhinderung von Monopolen im Softwarebereich kann am besten dadurch erreicht werden, dass die BGMs so gestaltet werden, dass sie ihren ursprünglichen Sinn auch verfolgen. Unter „begrenzten geistigen Monopolen“ (BGM) verstehen wir Patente, Urheberrecht, Schutzmarken, sowie andere Gesetze, deren Absicht es ist, limitierte Monopole für geistige Kreativität zu gewähren (vgl. Greve<span>  </span>2003, S. 35). </p>  <p class="MsoNormal">Meist wird heutzutage der Eindruck vermittelt, „dass naturgegebene Rechte für Autoren die akzeptierte und unumstrittene Tradition unserer Gesellschaft sind“ (Stallman<span>  </span>1994b). Der Sinn und Zweck sowohl des angloamerikanischen Copyrights, als auch des europäischen Urheberrechts, war es jedoch, den Fortschritt zu fördern und nicht die Autoren zu belohnen. Sie belohnen zwar „die Autoren etwas und die Verleger etwas mehr, aber dies ist gewollt als ein Mittel, um ihr Verhalten zu verändern“ (Stallman<span>  </span>1994b). Genauso wurden Patente als „ein zeitlich begrenztes Monopol zur Förderung der Veröffentlichung und Verbreitung von wirtschaftlich interessanten Ideen“ geschaffen (Reiter<span>  </span>2004, S. 90). Des Weiteren sollte bedacht werden, dass manche dieser Systeme, wie z.B. das Urheberrecht, schon sehr alt sind und auch für andere Technologien als Software geschaffen wurden.</p>  <p class="MsoNormal"><div class="quote-msg"><div class="quote-author">Quote:</div> So entstand das Copyright-System „mit der Drucktechnik - eine Technologie, die Kopien in Massenproduktion ermöglichte. Das Copyright passte gut zu dieser Technologie, da es nur die Massenproduzenten von Kopien einschränkte. Es nahm den Lesern von Büchern keine Freiheit. Eine gewöhnliche Leserin, die keine Druckerpresse besaß, konnte Bücher nur mit Stift und Tinte kopieren, und sehr wenige Leser wurden dafür verklagt. Digitaltechnologie ist flexibler als die Druckerpresse: Wenn Information in digitaler Form vorliegt, kann man sie leicht kopieren, um sie mit anderen zu teilen. Genau diese Flexibilität passt schlecht zu einem System wie dem Copyright“ (Stallman<span>  </span>1994b). </div></p>  <p class="MsoNormal">Das unfreie Softwaresystem wird, wie wir gesehen haben, immer zu einem Monopol führen. Es ist auf Dauer nicht machbar, immer nur die Folgen des Systems zu bekämpfen, ohne die Ursachen anzugehen. Wie schwierig sich diese Folgenbekämpfung in der Praxis darstellt, sehen wir bei dem Kartellrechtsverfahren der Europäischen Kommission gegen Microsoft. Hierbei lässt Microsoft nichts unversucht, um die Netzwerkschnittstellen von Microsoft Windows nicht offen legen zu müssen. Durch dieses Verhalten verhindern sie jegliche Konkurrenz 4. </p>  <p class="MsoNormal">Der Gesetzgeber muss sich dessen bei seiner Aufgabenerfüllung immer bewusst sein. BGMs müssen mit Bedacht verwenden werden, um eine gesellschaftliche Entwicklung zu ermöglichen. Und speziell bei Software sollte sehr gewissenhaft darauf geachtet werden, ob das Ziel mit diesem Mittel erreicht wird oder ob es nicht doch bessere Möglichkeiten dafür gibt.</p><p class="MsoNormal">&nbsp;</p>  <p class="MsoNormal"><o:p> </o:p></p>  <p class="MsoNormal"><o:p>________________________________________________________________<br /></o:p></p>  <p class="MsoNormal">1 Diese Praktik ist recht verbreitet und wird als “Vendor Lock-In“ bezeichnet.<o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">2 Dieses Monopol bleibt nicht auf den Softwaremarkt begrenzt. Es dehnt sich auch auf den Hardwaremarkt aus. So läuft z.B. das Microsoft Betriebssystem nur auf Intel kompatibler Hardware und Computer mit Intel Chips werden mit dem Microsoft Betriebssystem vertrieben.<o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">3 Die Isländische Regierung setzte die Lokalisierung schließlich auf der Basis des freien Betriebssystems GNU/Linux durch (vgl. Grassmuck 2002, S. 318).<o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal">4 Microsoft hat in dem Verfahren mittlerweile mehr als drei Milliarden US Dollar, das ist das Sechsfache der von der Europäischen Kommission auferlegten Strafe, an Drittparteien des Berufungsverfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof bezahlt. Die Drittparteien bekundeten daraufhin kein weiteres Interesse an dem Fall zu haben. In Folge dessen unterstützen derzeit nur noch zwei Parteien die Europäische Kommission in dem Verfahren.</p><p class="MsoNormal">&nbsp;</p>  <p class="MsoNormal"><o:p> </o:p></p>  <p class="MsoNormal"><o:p> </o:p></p>  <p class="MsoNormal"><b><span lang="EN-GB">Literatur<o:p></o:p></span></b></p>  <p class="MsoNormal"><span class="aecsc-10x-x-120"><span lang="EN-GB">F</span></span><span class="small-caps1"><span lang="EN-GB">ree</span></span><span class="aecsc-10x-x-120"><span lang="EN-GB"> S</span></span><span class="small-caps1"><span lang="EN-GB">oftware</span></span><span class="aecsc-10x-x-120"><span lang="EN-GB"> F</span></span><span class="small-caps1"><span lang="EN-GB">oundation</span></span><span lang="EN-GB">: <span class="aeti-121">Categories of Free and Non-Free Software</span>. <a href="http://www.gnu.org/philosophy/categories.html" title="http://www.gnu.org/philosophy/categories.html">http://www.gnu.org/philosophy/categories.html</a> vom 05.01.2006, 1996 <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal"><span class="aecsc-10x-x-120">F</span><span class="small-caps1">ree</span><span class="aecsc-10x-x-120"> S</span><span class="small-caps1">oftware</span><span class="aecsc-10x-x-120"> F</span><span class="small-caps1">oundation</span><span class="aecsc-10x-x-120"> E</span><span class="small-caps1">urope</span>: <span class="aeti-121">Warum Freier Software in</span> <span class="aeti-121">Schulen den Vorzug geben? </span><a href="http://www.fsfeurope.org/projects/education/argumentation.de.html">http://www.fsfeurope.org/projects/education/argumentation.de.html</a> vom 05.01.2006, 2004 <o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal"><span class="aecsc-10x-x-120">F</span><span class="small-caps1">ree</span><span class="aecsc-10x-x-120"> S</span><span class="small-caps1">oftware</span><span class="aecsc-10x-x-120"> F</span><span class="small-caps1">oundation</span><span class="aecsc-10x-x-120"> E</span><span class="small-caps1">urope</span>: <span class="aeti-121">Diagnosen verboten: elektronische</span> <span class="aeti-121">Patientenakte krankt an der Sicherheit</span>. <a href="http://mail.fsfeurope.org/pipermail/press-release-de/2005q4/000081.html">http://mail.fsfeurope.org/pipermail/press-release-de/2005q4/000081.html</a> vom 05.01.2006, 2005 <o:p></o:p></p>  <p class="MsoNormal"><span class="aecsc-10x-x-120">G</span><span class="small-caps1">rassmuck</span>, Volker: <span class="aeti-121">Freie Software zwischen Privat- und Gemeineigentum</span>. <st1:city><st1:place><span lang="EN-GB">Bonn</span></st1:place></st1:city><span lang="EN-GB">: Bundeszentrale für politische Bildung, 2002 <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal"><span class="aecsc-10x-x-120"><span lang="EN-GB">G</span></span><span class="small-caps1"><span lang="EN-GB">reve</span></span><span lang="EN-GB">, Georg C. F.: Fighting Intellectual Property: Who Owns and Controls the Information Societies? In: <span class="aecsc-10x-x-120">H</span><span class="small-caps1">einrich</span><span class="aecsc-10x-x-120"> B</span><span class="small-caps1">÷ll</span><span class="aecsc-10x-x-120"> F</span><span class="small-caps1">oundation</span> (Hrsg.): <span class="aeti-121">Visions in process, world summit on the information society</span>. </span><st1:place><st1:city><span lang="EN-GB">Geneva 2003</span></st1:city><span lang="EN-GB">, </span><st1:state><span lang="EN-GB">Tunis</span></st1:state></st1:place><span lang="EN-GB"> 2005, 2003, S. 35–38 <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal"><span class="aecsc-10x-x-120"><span lang="EN-GB">L</span></span><span class="small-caps1"><span lang="EN-GB">essig</span></span><span lang="EN-GB">, Lawrence: <span class="aeti-121">Code And Other Laws Of Cyberspace</span>. </span><st1:place><st1:city><span lang="EN-GB">New York</span></st1:city><span lang="EN-GB">, </span><st1:state><span lang="EN-GB">NY</span></st1:state></st1:place><span lang="EN-GB">, 1999 <o:p></o:p></span></p>  <p class="MsoNormal"><span class="aecsc-10x-x-120"><span lang="EN-GB">M</span></span><span class="small-caps1"><span lang="EN-GB">ead</span></span><span lang="EN-GB">, Lawrence: The Great Passivity. 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Beck, 2004, S. 499</p><p class="MsoNormal">&nbsp;</p><p class="MsoNormal">Originalposting unter: <a href="http://www.difficulties.de/mk/papers.html" title="http://www.difficulties.de/mk/papers.html">http://www.difficulties.de/mk/papers.html</a></p><p class="MsoNormal">&nbsp;</p>    ]]></content>
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