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  <title>Marco Ryan's blog</title>
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  <updated>2006-10-26T17:49:03+02:00</updated>
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    <title>Ostern in Brasilien: Gefräßigkeitstage mit Schockoladeneiern und reichlich zu Essen und zu Trinken</title>
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    <published>2006-04-09T13:10:08+02:00</published>
    <updated>2006-04-09T13:49:52+02:00</updated>
    <author>
      <name>Marco Ryan</name>
    </author>
    <category term="International" />
    <category term="Magazin" />
    <summary type="html"><![CDATA[Wir feiern bald Ostern und komischerweise hat mich noch keiner gefragt, wie man Ostern in Brasilien feiert. Das Thema erscheint vielleicht nicht so interessant und außergewöhnlich, denn die Brasilianer haben im Endeffekt dieselbe christliche Tradition, wie die Deutschen. Es gibt Schockoladeneier und viel zu essen. Dennoch Ostern in Brasilien ist anders als in Deutschland. Und nun zu Ostern frage ich mich selbst, wie wir Brasilianer eigentlich Ostern im feiern.
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    <content type="html"><![CDATA[Wir feiern bald Ostern und komischerweise hat mich noch keiner gefragt, wie man Ostern in Brasilien feiert. Das Thema erscheint vielleicht nicht so interessant und außergewöhnlich, denn die Brasilianer haben im Endeffekt dieselbe christliche Tradition, wie die Deutschen. Es gibt Schockoladeneier und viel zu essen. Dennoch Ostern in Brasilien ist anders als in Deutschland. Und nun zu Ostern frage ich mich selbst, wie wir Brasilianer eigentlich Ostern im feiern.

Eine wirklich präzise Antwort kann ich vielleicht nicht geben, denn nach mehr als zwei Jahren in Deutschland erinnere ich mich nicht mehr genau an alle Einzelheiten. Aber eines ist sicher in der Osterzeit wird man in Brasilien ein Sündiger, denn es sind „Gefräßigkeitstage“.

Während die Schokoindustrien ihre Kassen füllen, nehmen viele Brasilianer zu, nach Tagen der Schokoladenfräßigkeit. Die Zeit, in der man Eier gemalt und versteckt hat, damit die Kinder suchen, ist schon vorbei. Trotzdem ist noch der Hase das Symbol für Fruchtigkeit geblieben. Aber nur in der Erinnerung der Erwachsen. Den Kindern ist es eigentlich ziemlich egal: Die wollen lediglich das größte und leckerste Schokoladenei als Geschenk bekommen. Die Verliebten auch. Ja, man verschenkt statt Spielzeuge oder Blumen Schokoladeneier in Brasilien! Und wenn diese mit Kokosnuss überzogen sind und mit Pralinen darin, dann hmmm! Einfach L E C K E R! Ostern wird am dritten Sonntag im April gefeiert, aber der Schokoladeneiaustausch fängt schon früher an.

Sehr schön. Du fragst dich wahrscheinlich, ob wir ein traditionelles Mittagessen oder Abendessen haben. Ich bejahe… die ganze Familie versammelt sich für ein reichliches Mittagessen, meist bei der Oma. Was wir essen? Na ja, es ist immer unterschiedlich, aber ich kann behaupten, es ist nichts Besonderes – mal Nudeln, mal Pizza, mal Fisch, mal Bohnen mit Reis, Kartoffeln und Salat, aber vor allem essen wir in den Ostertagen Schokoladeneier, die zwischen den Verwandten ausgetauscht wurden. Fleisch versuchen wir zu vermeiden, weil es an den Körper von Christos erinnert… Übrigens, dass Christo in dieser Zeit auferstand – daran erinnert man sich kaum… Die frommsten Katholiken besuchen noch am Sonntagmorgen den Gottesdienst in der Kirche. Aber die meisten Brasilianer vergessen einfach den Grund der Feiertage. Sie freuen sich auf Ostern, in erster Linie weil man in dieser Zeit nicht arbeiten muss. Es ist wie die Fortsetzung der Karnevalzeit. Und was macht man in dieser Zeit? Na ja, alles Mögliches, vor allem Schokoladeneier fressen… 

Ach, ich habe vergessen, eine Frage zu beantworten. Bei uns trinken viele in dieser Zeit Bier, anders gesagt: Sie saufen! Tatsächlich. Denn man muss nicht den nächsten Katertag im Büro sitzen… Und was ich in dieser Zeit mache? Ich gebe einfach den Tipp, dass ich kein frommer Katholik bin… den Rest weißt du schon, oder?
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    <title>Katholizismus in Brasilien: Die Lebendigkeit des religiösen Gefühls, Ursachen und Auswirkungen in Gesellschaft und Familie</title>
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    <published>2006-04-02T23:28:08+02:00</published>
    <updated>2006-10-26T19:08:10+02:00</updated>
    <author>
      <name>Marco Ryan</name>
    </author>
    <category term="International" />
    <category term="Geschichte" />
    <category term="Gesellschaft" />
    <category term="Religion" />
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    <category term="familie" />
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    <category term="kirche" />
    <category term="portugal" />
    <category term="religiöses gefühl" />
    <summary type="html"><![CDATA[<p>In der Beschreibung des brasilianischen Charakters bemerkt man häufig, dass dieser von Sensibilität, Irrationalität und Religiosität geprägt ist. Die Kräfte dieses Gefühls, die stets auf die Meinungen und Verhalten des Brasilianers wirken, zerstreuen seine Interessen an sinnlichen und objektiven Bestimmungen. Um diese Aussage zu verstehen, ist es notwendig die Wurzeln Brasiliens zu kennen. Sie entstammen dem portugiesischen Teil der iberischen Halbinsel. Portugal spielte im 15. und 16. Jahrhundert bei der Etablierung neuer Handelswege und der Eroberung und Entdeckung der Länder dieser Regiong eine sehr große Rolle. Die Portugiesen gründeten Kolonien in Afrika, Amerika und Asien und sie gründeten Brasilien. Die Lebendigkeit des religiösen Gefühls in Brasilien erklärt sich daraus, dass die „Entdecker“ nicht nur im Namen der portugiesischen Krone, sondern auch in dem von der katholischen Kirche geführten Gegenreform handelten. Dieses Gefühl entwickelte sich auf unterschiedliche Weise, teils mystischer und fanatischer Art, besonders in den ärmsten Bundesländern und auf dem Land, teils dogmatischer, dessen Fall in den Großen- und Hauptstädte vorkam. Der Unterschied bestand auch in der Art, wie man die Religion behandelte, das heißt mal formal, mal zeremoniell, mal rituell.</p>    ]]></summary>
    <content type="html"><![CDATA[<p>In der Beschreibung des brasilianischen Charakters bemerkt man häufig, dass dieser von Sensibilität, Irrationalität und Religiosität geprägt ist. Die Kräfte dieses Gefühls, die stets auf die Meinungen und Verhalten des Brasilianers wirken, zerstreuen seine Interessen an sinnlichen und objektiven Bestimmungen. Um diese Aussage zu verstehen, ist es notwendig die Wurzeln Brasiliens zu kennen. Sie entstammen dem portugiesischen Teil der iberischen Halbinsel. Portugal spielte im 15. und 16. Jahrhundert bei der Etablierung neuer Handelswege und der Eroberung und Entdeckung der Länder dieser Regiong eine sehr große Rolle. Die Portugiesen gründeten Kolonien in Afrika, Amerika und Asien und sie gründeten Brasilien. Die Lebendigkeit des religiösen Gefühls in Brasilien erklärt sich daraus, dass die „Entdecker“ nicht nur im Namen der portugiesischen Krone, sondern auch in dem von der katholischen Kirche geführten Gegenreform handelten. Dieses Gefühl entwickelte sich auf unterschiedliche Weise, teils mystischer und fanatischer Art, besonders in den ärmsten Bundesländern und auf dem Land, teils dogmatischer, dessen Fall in den Großen- und Hauptstädte vorkam. Der Unterschied bestand auch in der Art, wie man die Religion behandelte, das heißt mal formal, mal zeremoniell, mal rituell.</p><p><br /><br /><div class="quote-msg"><div class="quote-author">Quote:</div> „Die Menge folgte dem Baldachin und schloss sich dem Gebet der Priester an. In vollem Ornat, mit reuiger Miene und gefalteten Händen, ließ Pater Basílio seine tönende Stimme zum Gebet erschallen. Der fromme Mann war zu dieser wichtigen Verrichtung wegen seiner hervorragenden Tugenden ausersehen worden, die ihm Anerkennung und die Achtung aller eintrugen; im übrigen war er als Eigentümer von Ländereien und Pflanzungen selbst daran interessiert, dass der Himmel eingriff. Deshalb betete er mit verdoppeltem Nachdruck“. <em>„Gabriela“ von Jorge Amado.</em> </div></p><p><br /><br />Im Allgemeinen entfaltete sich die Religion anhand der Entwicklung der brasilianischen Gesellschaft und ihrer Bedürfnisse. Im Vergleich zum Beispiel mit den USA übernahm die Religion in Brasilien kein ethisches Wesen oder praktische Nützlichkeit, welche die Puritaner im Norden Amerikas einerseits auf der Grundlage der ästhetischen und zivilisatorischen Strenge und andererseits auf der Grundlage der Mobilität und der Aktivität in Bezug auf den kolonisierten Prozess durchsetzte. Freyre (Freyre: 1965.) schrieb, das brasilianische kolonisierte System sei von einer häuslichen Religion geprägt worden, quasi Verwandtschaftsverhältnisse, indem Heiligen und Mensch als Eltern und Kinder betrachtet werden könnten. Holanda (Holanda: 1995) gab ein hervorragendes  Beispiel dafür, indem er bemerkte, dass der Brasilianer, wenn er sich an die Heiligen hinwendet, für ihre Namen Verniedlichungsformen benutzen, als ob sie alte Freunde wären. Das Leben in dem „Casa Grande“ (Besitzung des Kolonisators oder des großen Farmers, wo die Zuckerrohrplantage und später die Kaffeeplantage sich entwickelten – die Zellen des Kolonialsystems) wurde immer von Taufen, Hochzeit, heiligen Feste, neuntägige Andacht, und so weiter markiert. Dieses zärtliche Verhältnis zwischen Himmel und Erde passierte nicht, wie Freyre äußerte, wenn die brasilianische Gesellschaft eine andere Art von Christentum oder sogar eine andere Religion beherrschte, nämlich die geistlicher, asketischer oder orthodoxer wäre. Die Kraft dieses religiösen Gefühls, das voll von Spontaneität und menschlichen Sympathie ist, und noch dazu die Wirkung des tropischen Klimas schufen ein depressives Volk. Das heißt das brasilianische Volk neigt sich nicht zur Empörung, ist verzichtet auf das Leben, ist zu weich und wird leicht von sinnlichen oder moralischen Verhängnisse unterdrückt. Im Grunde genommen ist dieses Volk passiv, indem es statt kämpfen sich verteidigen oder einfach aufgibt. Zwar viele Brasilianer im Laufe der Zeit autonom wurden und die Übel der Trägheit überwunden, aber die Mehrheit wartet heutzutage noch immer auf die Hilfe, die aus dem Himmel hinfallen wird, da Gott allmächtig und ein hilfsbereiter Freund (als Person betrachtet) ist.<br /><br />Eine der unterschiedlichsten Eigenschaft des Brasilianers in Zusammenhang mit den anderen Völkern ist vor allem, wenn er sich zum ersten Blick an jemanden hinrichtet, seine Kindlichkeit, die seine Kraft und zugleich seine Schwäche ausmacht. Sein Mitgefühl, seine Schnelligkeit zu vergessen oder zu vergeben, seine Großzügigkeit, sein Verstoß gegen radikale Lösungen, seine Toleranz, seine Gastfreundschaft unter anderen sind Anzeichen des emotionellen Elements, von dem sein Charakter sehr tief geprägt wurde. Allerdings hat dies alles nichts mit Höflichkeit zu tun, sondern mit Herzlichkeit. Azevedo bemerkte, die Entstehung des oberen zitierten Verhalten vollziehe sich seitdem die Portugiesen ihr kolonisiertes System in Südamerika gründeten in der Mischung dreier Rassen, nämlich die der Weißen (die Portugiesen), die der Schwarzen (die Afrikaner) und die der Roten (die „Indios“). Die Mischung dreier unterschiedlicher Rassen beziehungsweise Kulturen auf demselben Gebiet kann entweder zu Krieg zwischen ihnen führen, wie man zum Beispiel bei der Kolonisation vieler Länder Afrikas wahrnimmt, oder sie befinden sich in einem friedliche Zustand, in dem Toleranz als ein natürliches und spontanes Gefühl blüht. Das letzte ist der Fall Brasiliens. Diese Bemerkung führt zu einer neuen Diskussion und zwar über den Rassismus in Brasilien, die im Moment leider nicht vertieft werden kann. Die Rassenmischung ist aber nur ein Punkt der Auseinandersetzung. Azevedo (Azevedo: 1958)  ist der Meinung, die katholischen Prinzipien spielten auch in diesem Fall eine wichtige Rolle. Mildtätigkeit, Sympathie und Brüderlichkeit prägen die Gedanken und das Handeln des Brasilianers ein. Da diese Prinzipien schon Wurzeln in der Gesellschaft haben, vermag der Brasilianer nicht, die Tradition der Herzlichkeit aufzugeben, um Revolutionen, Empörungen oder irgendeinen gewaltigen Akt gegen seine „Brüder“, mögen sie aus Brasilien oder nicht kommen, zu führen. Alle Beispiele, die die Welt gab, wie zum Beispiel die französische Revolution oder die Unabhängigkeit der USA, spiegelten auch in Brasilien wieder, aber keiner war kräftig genug, die katholischen Prinzipien zu brechen. Die widersprüchlichen Bewegungen, die in Brasilien vorkamen, wurden immer unterdrückt, beschränkt oder sofort abgeschafften.<br /><br />Holanda interpretiert das Gefühl der Herzlichkeit anders. Eigentlich wurde dieser Begriff von ihm erfunden. Der Brasilianer ist freundlich, kindlich, großzügig, gastfreundlich, und so weiter, weil er im Grunde genommen eigennützig ist. Es geht aber nicht um den Charakter des Brasilianers, sondern um die soziale Struktur, die sich in Brasilien seit der Entdeckungszeit etablierte, indem der Besitz riesiges Grundstück in der Hand einer reichen Minderheit war, woraus die sozialen Unterschiede entstanden. Die brasilianische Gesellschaft organisierte sich um die Elite herum und bleibt bis heute von ihr abhängig. So entwickelte sich die „Kultur des Gefallens“ und in diesem Fall ist die Herzlichkeit wie eine Maske, die jeder in der mittleren und niedrigen Schichte der Gesellschaft trägt, um sich zu verteidigen und gleichzeitig seine Interessen zu erfüllen. Da die Elite die gesellschaftlichen Regeln diktiert, entfaltete sich in Brasilien eine problematisierte Arbeitskultur, indem nur die Bevorzugten Chancen auf den Markt haben. In dieser Richtung wird in Brasilien von Sonntag auf Sonntag gearbeitet, aber was man verdient, ist nicht genug, um die Rechnungen am Ende des Monates zu bezahlen. So werden die sozialen Unterschiede immer größer, was die Armut-, Analphabetismus- und Kriminalitätsziffer in den großen und kleinen Städten verursacht. In diesem Horizont ist es selbstverständlich, weshalb die Kinder, besonders die ärmsten, davon träumen, Fußballspieler oder Sänger zu werden.  Das ist jedoch nicht nur der Fall der Kinder, die mit einem „leichten“ und erfolgreichen Leben rechnen, sondern auch der Erwachsen. Die Rede ist hier aber nicht von Sport oder Kultur, sondern von öffentlichen Diensten, vor allem von Politik. In Brasilien betrachtet und benutzt man das politische System nicht als eine öffentliche Institution, in der man sich um die Probleme und Interesse des Landes kümmern müsste, hingegen als etwas Privates, in dem man Sorge auf die eigenen Interessen macht. Daher entsteht ein großes, vielleicht das wichtigste Problem Brasiliens, nämlich die Verwirrung zwischen dem privaten und dem öffentlichen Leben. Das häusliche System, das auf der Grundlage jener katholischen Prinzipien sowie auf die Idee der „herzlichen Maske“ basiert, wird in den öffentlichen Bereichen wiedergegeben. Genauer gesagt, jene Samen, die der Katholizismus in der brasilianischen Familie einpflanzte, nämlich Mildtätigkeit, Brüderlichkeit, Freundlichkeit, unter anderen, sowie die daraus entstandene Kultur des Gefallens, keimen schon lange in den öffentlichen Diensten. Solange dieses Problem weiter existiert, wird die Korruption Brasilien ewig beherrschen und das Land bleibt noch unterentwickelt. Aber nicht nur das: solange die Elite sich um die gesellschaftlichen Regeln kümmert, bleibt Brasilien ein paradoxes Land, indem es ein der größten Exporteur von Lebensmittel der Welt ist, aber hat auf eigenen Boden, Leute, die noch vor Hungern sterben.<br /><br />Die letzten Bemerkungen zu diesem Thema müssen im Konjunktiv geschrieben werden. Wie Freyre äußerte, wenn in Brasilien eine geistliche Religion kultiviert würde, dann wäre der brasilianische Charakter anders. Allerdings kann an dieser Stelle nicht weiter auf diese Möglichkeit eingegangen werden.<br /><br />Ein Land, wo man in der Grundschule statt für das Leben für die Abitur lehrt und lernt, wo Lehrer von Schüler geschimpft und geschlagen werden, wo Fakultäten ohne Kontrolle mehr als wirtschaftlichen Unternehmen als akademischen Institutionen eröffnet werden, wo die Presse lückenhaft ist oder die Masse manipuliert, wo die Gesetze in der Praxis keine Rolle spielen, wo grausame Verbrecher freigelassen werden, wo Richter bestochen werden, wo Politiker schamlos Geld abdrängen, wo zwei Drittel der Bevölkerung unter Armut und Analphabetismus leiden, wo der soziale Unterschied riesig ist, und so weiter, braucht dringend einer Revolution, die von unten nach oben geführt wird. Die hierher gegebene Beschreibung zeigt aber, dass eine Revolution in Brasilien utopisch ist, solange der Brasilianer passiv bleibt. Viele sagen, Brasilien sei ein junges Land und es gebe Hoffnungen und Lösungen. Das ist zum Teil wahr, wenn von diesem Moment an eine zumindest kulturelle Revolution geführt wird, damit der Brasilianer die Welt nicht aus einer getäuschten Perspektive, sondern aus einer realen betrachtet. Er muss Bescheid wissen, dass ein besseres Leben nur von seiner eigenen Antriebskraft abhängt.  Nur in diesem Fall gibt es Änderungsmöglichkeiten. Diese kulturelle Revolution, oder besser gesagt, diese Bewusstmachung muss auch in dem religiösen Bereich gemacht werden.<br /><br />Die Wurzel des Katholizismus in Brasilien ist keineswegs abziehbar. Die schon oben zitierten religiösen Gewohnheiten dieser Religion sollen diese Aussage beweisen. Außer ihr gibt es doch noch einen wichtigen Punkt. Nach dem Taufen, wenn die Kinder zehn Jahre alt werden, müssen sie den Katechismus besuchen. Kurz danach sind sie gefirmt. Die Auseinandersetzung besteht darin, dass die brasilianischen Kinder keine Ahnung davon haben, wozu Taufen, Katechismus und Firmung existieren. Sie nehmen sozusagen diesen Weg, weil sie von ihrer Familie mittelbar gezwungen sind. Diese weiß natürlich, was diese „Rituelle“ bedeuten, aber sie zwingt ihre Kinder, nicht wegen der Religion, sondern wegen der Tradition des Landes. In Grunde genommen hat selbst die Familie, wenn das Verallgemeinern hier erlaubt wird, auch keine Ahnung von den religiösen Zuständen.<br /><br />Gegen diese feste Tradition kann man überhaupt nicht kämpfen. Dennoch müsste man zumindest die Gelegenheit haben, darüber zu diskutieren, um alles besser verstehen zu können. In diesem Fall wird hier vorgeschlagen, Kurse in die Grundschule eingeführt zu werden (die nicht nur Religion, sondern auch Philosophie, Soziologie, Menschenrecht u. a. betreffen), wie es in der Vergangenheit war, die den Katholizismus weder kritisieren noch verteidigen, aber die ihn diskutieren und befragen. Daraufhin haben die Kinder die Möglichkeit, die Welt anders zu betrachten und danach, wenn sie Erwachsen werden, zu beurteilen und zu wählen, was besser für sie ist. Dieser Richtung gemäß, bleibt man doch Katholik, aber man wird daneben bemerken, dass es andere Änderungsmöglichkeiten für das Leben gibt. Mit anderen Worten soll man dafür halten, dass ein besseres oder ein schlechteres Leben nicht nur durch die Hand Gottes oder des Teufels verschafft wird, sondern auch durch seins.<br /><br /><br /><br />  </p><p class="MsoNormal">&nbsp;</p>  <p class="MsoNormal">&nbsp;</p>  <p class="MsoNormal">Referenzen</p>    <p class="MsoNormal">FREYRE, Gilberto. Sklavenhaus und Herrenhütte. Übersetzung von Graf von Schoenfeldt. Kiepenheuer &amp; Witsch, 1965.</p>    <p class="MsoNormal">HOLANDA, Sérgio Buarque de. Die Wurzeln Brasiliens. Übersetzung von Maralde Meyer-Minnemann. Suhrkamp, 1995.</p>    <p class="MsoNormal">AZEVEDO, Fernando. The Brazilian Culture. Introdution in the Studies of Culture in Brazil. São Paulo: Melhoramentos, 1958.   </p><p class="MsoNormal">&nbsp;</p>  <p><br /><br /></p>    ]]></content>
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    <title>Fragen der Deutschen an einen Brasilianer</title>
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    <published>2006-03-31T16:20:13+02:00</published>
    <updated>2006-03-31T16:35:11+02:00</updated>
    <author>
      <name>Marco Ryan</name>
    </author>
    <category term="International" />
    <category term="Magazin" />
    <summary type="html"><![CDATA[Es ist merkwürdig für mich, wie neugierig und diskussionsfreundlich die Deutschen sind – bei ernsten Dingen, aber auch oberflächlichen Sachen. Sie stellen Fragen wie: „Sind die Straßen in Brasilien eigentlich leer, wenn die berühmteste Telenovela im Fernsehen läuft?“ oder: „Hat wirklich jede zweite brasilianische Frau Silikonbrüste?“ Manche Jungs wollen einfach nur wissen: „Wie macht man eine Brasilianerin an?“
    ]]></summary>
    <content type="html"><![CDATA[Es ist merkwürdig für mich, wie neugierig und diskussionsfreundlich die Deutschen sind – bei ernsten Dingen, aber auch oberflächlichen Sachen. Sie stellen Fragen wie: „Sind die Straßen in Brasilien eigentlich leer, wenn die berühmteste Telenovela im Fernsehen läuft?“ oder: „Hat wirklich jede zweite brasilianische Frau Silikonbrüste?“ Manche Jungs wollen einfach nur wissen: „Wie macht man eine Brasilianerin an?“

Viele Deutsche fragen mich aber auch Dinge wie: „Was denken die Brasilianer über die Verwüstung der Amazonen?“, oder „Wie ist die soziale Situation Brasiliens, nachdem der Kandidat der Linken Lula da Silva 2003 zum Präsidenten gewählt wurde?“, oder „Sind die Favelas wirklich so gefährlich, wie man sie beschreibt?“

Na ja, in Deutschland kann man sowohl Experten zu Brasilien finden als auch Laien, die nicht einmal wissen, dass in meinem Land portugiesisch gesprochen wird.
    ]]></content>
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    <title>Worin besteht der Unterschied zwischen ALDI und KAISERS? (zum 9. Nov. 1989)</title>
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    <published>2005-11-08T22:09:28+01:00</published>
    <updated>2006-10-26T17:49:03+02:00</updated>
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      <name>Marco Ryan</name>
    </author>
    <category term="Berlin" />
    <category term="1989" />
    <category term="1990" />
    <category term="9. November" />
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    <category term="berliner mauer" />
    <category term="deutsche teilung" />
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    <summary type="html"><![CDATA[Was kann ein Brasilianer über den Mauerfall sagen? Wenn ein deutscher Freund mich fragt, was ich in dieser Zeit machte, kann ich keineswegs antworten... ich erinnere mich daran nicht, was ich gestern beim Frühstück aß, wie kann ich mich an ein Ereignis erinnern, welches vor sechzehn Jahre passierte? Und so weit weg von mir? Ruhig!!!! Ich habe doch meine Meinung und möchte kein Quatsch schreiben.    ]]></summary>
    <content type="html"><![CDATA[Was kann ein Brasilianer über den Mauerfall sagen? Wenn ein deutscher Freund mich fragt, was ich in dieser Zeit machte, kann ich keineswegs antworten... ich erinnere mich daran nicht, was ich gestern beim Frühstück aß, wie kann ich mich an ein Ereignis erinnern, welches vor sechzehn Jahre passierte? Und so weit weg von mir? Ruhig!!!! Ich habe doch meine Meinung und möchte kein Quatsch schreiben. Ich möchte nur betonen, dass diese Aufgabe uns (den Brasilianern) zu schwierig ist, weil wir uns auf keinen Fall vorstellen können, was die Deutschen, besonders die Berliner, in ihren Leben erlebten. Ehrlich gesagt soll ich bei solchen Fragen schweigen, ich möchte stattdessen zum Thema beitragen.   Ich wohne schon ein Jahr in Berlin und würde sagen, dass ich die Stadt ziemlich gut kenne, denn ich lebte erstens in Pankow, dann in der Mitte und nun wohne ich in Charlottenburg. Ich erfuhr sowohl von der Geschichte der Stadt als auch von den Berlinern, die sich ganz unterschiedlich benehmen...  2001 besichtigte ich zum ersten Mal Berlin und übernachtete damals in einer Jugendherdberge am Ostkreuz. Da ich nur ein Wochenende in der Stadt verbrachte, sah ich ganz oberflächlich alle Sehenswürdigkeiten und konnte nur um meine Höhe ausgehen --- S. P. E. I. C. H. E. R. --- Das war so geil, ich tanzte in einer Disco, die neben der Mauer lag... Ich sagte mir selbst geil (könnte aber auch cool sagen), ehe ich eintrat... Was für eine Musik spielten die da? Und wie komisch und Kitsch sahen alle aus? Wie alt sind Sie? Diese Frage durfte man in dieser Nacht nicht stellen... Ich weiß, dieser Eindruck ist zu blöde, aber so hatte ich mir damals die Ossis und ihrer Gegend vorgestellt...  Wir müssen doch nach Pankow zurückkehren... Sei geduldig, liebe/r Leser/in, ich lerne gerade Deutsch und brauche ein bisschen Zeit, meine Meinung zu entwickeln. Außerdem möchte ich dich beeindrucken, indem ich dir zeige, dass ich mich viel bemühe...  22.09.2004. An diesem Tag kam ich in Deutschland an, gerade ein Monat vor dem Semesterbeginn. Damit meine ich, dass mein Leben sich im Laufe dieser Zeit nur in Pankow beschränkte. Dazu gibt es noch eine wichtige Kleinigkeit, die ich auf jedem Fall mitteilen muss: mein Mitbewohner war ein einundsiebzigjähriger Mann. Er war verantwortlich für meine Einführung ins Berliner Leben. Wie ich ihn kennen lernte, spielt jetzt keine Rolle. Hauptsache dass er seine Aufgabe befolgte, aber auf einer anderen Weise, die ich mir niemals vorstellen konnte: die Nächte weilten länger, weil die deutsche Geschichte vielseitig ist und er, wie jeder alter Mann, wollte sie mir ganz präzis erzählen. Die Erlebnisse in der Schulzeit, die Bombefälle, die Ankunft der sowjetischen Armee, alles wurde von A bis Z beschrieben und detaliert. Die Erzählung über sein Leben nach dem Maueraufbau schien mir beeindrückender. Als Ossi fand er die Idee der Mauer verabscheuwürdig, besonders da er auch unter der Familientrennung litt. Ich konnte aber während der Erzählung Nostalgieanzeichen in seinem Blick bemerken. In der Erinnerung blieb die Zeit, in der man ohne Luxus leben konnte... Selten aß man schmackhafte Schokolade, aber man besaß sichere Stelle auf den Markt, man fuhr immer günstig mit dem Verkehrsmittel, man bildete sich aus und konnte freilich mit der Zukunft rechnen... Ich weiß, dass diese Nostalgie aus der Gegenwart entstand, da keiner Job hat, die Rentnerversicherung bedroht wird, die Zahl des Bettlers steigert, usw. usw. usw. Es ist doch klar, wie die Leine eben weiß, dass das Leben damals mit STASI, Freiheitsverzicht und Trabi nur in 10 Jahre nicht so schön und einfach war, wie es scheint. Trotzdem behielt ich dieses Bild des stabilen Lebens...   Einige Tage nach meiner Ankunft ging ich zum ersten Mal einkaufen. Nebeneinander gab es in der Nähe eine ALDI- und eine KAISERS Filiale. Mein Mitbewohner sagte mir, dass ALDI günstiger ist, ohne dass zu erklären, woran der reale Unterschied zwischen beiden besteht. Als ich ALDI eintrat, wurden 2 Filme in meinem kopf gedreht, nämlich den von der Erfahrung in SPEICHER und den vom Leben ohne Luxus. Die Produkte waren wirklich preiswert, aber ihre Qualität gefiel mir überhaupt nicht. Die Obstarte z. B. waren zu gering und sie sahen künstlich aus. In diesem Moment erinnerte ich mich an einen bulgarischen Laden, in dem ich einmal eine furchtbare Butter kaufte, als ich noch am Ostkreuz übernachte. Unzufrieden ging ich dann zum KAISER´S. Dort schlug mein Herz! So diferent! So modern! So expensive! Die Regale waren voll und bunt, die Weinsorten kommen aus aller Welt, das Cola, dass ich bei ALDI kaufen wollte und nicht fand, gab es hier in Stapel, Pepsiflaschen, American Keks und viel mehr... Mein Supermarktwagen sah bei KAISER´S ein moderner Ford aus, beim ALDI gegenüber war er ein blasser Trabi.   Wenn ein Bekannter mir nicht erklärt hätte, dass ALDI auch in Amerika existiert, hätte ich weiter gedacht, dass die Mauer immerhin noch zwischen den Supermärkte stände.  Einmal kommentierte ich, dass ich meine Meinung sagte… bis jetzt dächtest, dass ich nur quatschte. Damit du nicht denkst, dass die Brasilianer Lügner sind, äußere ich nun meine Meinung. Kurz und bündig würde ich sagen, dass eine psychologische Mauer noch existiert… Die Mauer steht noch da, nicht nur aufgrund der Sehenswürdigkeiten oder der stets Erinnerung der Geschichte, die ich persönlich sehr wichtig und nötig finde, sondern auch weil diese DDR-Nostalgie immer mehr in der Berliner Luft schwebt, besonders wenn die Betriebe auf den Hund kommen und die Arbeitsplätze abgeschafft werden, weil die Wessis und die Ossis noch Witze übereinander machen und das ist für mich Anzeichen der in der Gesellschaft eingeprägten Trennung, weil ich ab und zu an Gespräche teilnehme, in denen das Thema auftaucht und man verteidigt seine Meinung, als ob das Land nicht vereinigt wäre………,weil SPEICHER dieselbe als zuvor blieb.     ]]></content>
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